Es gibt einen berühmten Odysseus von Lesbos, und es ist nicht der aus der Sage. Odysseas Elytis bekam 1979 den Nobelpreis für Literatur, als zweiter Grieche nach Giorgos Seferis. In einem seiner bekanntesten Bilder steht der Olivenbaum an erster Stelle, noch vor Weinstock und Boot, wenn man Griechenland auf seine Bestandteile zerlegt. Bei seiner Herkunft wundert das niemanden auf der Insel.
Kurz gesagt: Odysseas Elytis, geboren 1911, Nobelpreis für Literatur 1979, gestorben 1996, stammte väterlicher- und mütterlicherseits von Lesbos. Sein Großvater mütterlicherseits, Nikolaos Vranas, baute 1887 in Papados eine der ersten dampfbetriebenen Ölmühlen der Ägäis. Sie lief rund 90 Jahre und wurde ab 1999 restauriert. Heute ist ein Industriemuseum darin.
Wer war Odysseas Elytis?
Einer der bedeutendsten griechischen Dichter des 20. Jahrhunderts. Geboren wurde er am 2. November 1911 in Heraklion auf Kreta, unter dem Namen Odysseas Alepoudelis. Elytis war ein Künstlername. Gestorben ist er am 18. März 1996 in Athen.
Die Familie stammt von Lesbos. Sein Vater Panagiotis Alepoudelis wurde in Panagiouda geboren, seine Mutter Maria Vrana in Papados in der Region Gera. Geheiratet haben die beiden 1897. Die Alepoudelis waren eine der frühen griechischen Industriellenfamilien, tätig in Seifenherstellung und Olivenölproduktion, ab 1895 auch in Heraklion.
1979 bekam Elytis den Nobelpreis für Literatur. Der Flughafen von Mytilini trägt heute seinen Namen. In der Stadt steht sein Gesicht an einer Hauswand, und in Papados gibt es im Museum eine eigene Abteilung zu seinem Lesbos.
Was war 1887 an einer Dampfmühle besonders?
Sie ersetzte Tiere und Menschen durch eine Maschine, die nicht müde wird. Bis dahin lief eine Ölmühle auf Lesbos über Muskelkraft, meist über ein Zugtier am Göpel, das die Mahlsteine drehte. Die Kapazität einer Mühle war damit an die Kraft und die Erschöpfung dieses Tieres gebunden.
Eine Dampfmaschine löst diese Grenze auf. Sie treibt über eine zentrale Welle und Transmissionsriemen mehrere Mahlwerke und Pressen gleichzeitig an und läuft, solange Kessel und Brennstoff halten. Ausgerechnet der Brennstoff war auf einer Olivenmühle kein Problem, weil der getrocknete Trester selbst gut brennt.
Damit verschiebt sich das ganze Geschäftsmodell einer Insel. Aus vielen kleinen Dorfmühlen, die für die Nachbarschaft mahlen, werden wenige große Betriebe, die für den Export produzieren. Das Öl aus Papados ging in ganz Griechenland und bis nach Istanbul.
Was ist aus der Mühle geworden?
Sie lief rund 90 Jahre durch und schloss Anfang der 1970er Jahre. Danach stand sie leer und verfiel. 1999 übernahm die gemeinnützige Gesellschaft Archipelagos, die sich der Kultur der Ägäis widmet, das Gebäude und begann mit der Restaurierung.
Wiederhergestellt wurde nicht nur die Architektur, sondern auch die Mechanik. Das Museum zeigt die Anlage nicht als Kulisse, sondern als funktionsfähigen Zusammenhang, von der Waschung über das Mahlwerk bis zur Presse. Für uns ist das der interessanteste Teil, weil sich daran ablesen lässt, welche Schritte sich seit 1887 verändert haben und welche nicht.
Verändert haben sich Antrieb und Trennung. Statt Dampfmaschine und hydraulischer Presse arbeiten wir heute mit Malaxer und Dekanter. Gleich geblieben ist die Reihenfolge: waschen, mahlen, kneten, trennen. Und gleich geblieben ist die entscheidende Größe, nämlich die Zeit zwischen Baum und Mühle.
Häufige Fragen
Kann man das Museum in Papados besichtigen?
Ja, die Vranas-Ölmühle in Papados in der Region Gera ist als Industriemuseum geöffnet. Papados liegt östlich von Mytilini am Golf von Gera, etwa eine halbe Stunde mit dem Auto. Öffnungszeiten wechseln saisonal, ein Anruf vorab lohnt sich.
Wurde Elytis auf Lesbos geboren?
Nein, in Heraklion auf Kreta. Beide Elternteile stammten jedoch von Lesbos, der Vater aus Panagiouda, die Mutter aus Papados. Die Familie hatte auf der Insel Werke und Grundbesitz. Lesbos gilt deshalb als seine Herkunftslandschaft, auch wenn er dort nicht zur Welt kam.
Welche griechischen Autoren haben den Literaturnobelpreis bekommen?
Bisher zwei. Giorgos Seferis erhielt ihn 1963, Odysseas Elytis 1979. Beide gehören zur sogenannten Generation der Dreißiger, die die griechische Moderne geprägt hat. Elytis' bekanntestes Werk ist "To Axion Esti".
Gab es vor 1887 schon Dampfmühlen auf Lesbos?
Die Vranas-Mühle gilt als eine der ersten dampfbetriebenen Anlagen der Insel und der Ägäis, nicht zwingend als die allererste. Die Industrialisierung des Olivenölsektors auf Lesbos setzte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein, getrieben vom Handel Richtung Schwarzes Meer und Donauraum.
Fazit
Dass bei einem Dichter aus dieser Familie der Olivenbaum an erster Stelle steht, ist keine Metapher, sondern Herkunft. Auf Lesbos war Olivenöl im 19. Jahrhundert die Industrie, und was heute nach Poesie klingt, war damals Betriebswirtschaft.
Unsere eigenen Haine liegen im Süden der Insel, gut eine Stunde von Papados entfernt. Jordan Olivenöl ist der milde, fruchtige Allrounder, Bambatsa das früh geerntete, herbere Öl, das Bio die kräftigere Variante.
Einfach, ehrlich, gut.
Stand: August 2026. Geprüfte Quellen: Vranas Olive Press Museum, Archipelagos Society, Nobelstiftung, biografische Standardwerke zu Elytis.