Ich mag keine Oliven: warum das meistens am Verfahren liegt

Ich mag keine Oliven: warum das meistens am Verfahren liegt

Wenn jemand erzählt, er mag keine Oliven, diskutieren wir nicht mehr. Wir stellen ein Glas hin. Bei der Nürnberger Foodbloggerin Tina Kollmann war nicht mal das nötig: Sie hatte jahrelang zwei Dinge genannt, die sie nicht mag, Kaffee und Oliven. Dann standen unsere Kalamata bei ihr im Regal. Heute steht auf ihrem Blog ein Rezept mit Oliven und der Satz "Ich bin bekehrt!".

Kurz gesagt: Wer Oliven nicht mag, hat meistens kein Problem mit der Frucht, sondern mit einem Verfahren. Rohe Oliven sind wegen des Bitterstoffs Oleuropein ungenießbar und müssen entbittert werden. Ob das über Monate in Salzlake passiert oder in wenigen Stunden in Natronlauge, entscheidet über Aroma, Textur und Farbe. Zwei Gläser mit der Aufschrift Oliven können deshalb völlig verschiedene Lebensmittel enthalten.

Warum mögen so viele Menschen keine Oliven?

Weil sie nie eine Olive probiert haben, sondern immer ein Verarbeitungsergebnis. Direkt vom Baum ist die Frucht nicht essbar. Verantwortlich ist Oleuropein, ein phenolischer Bitterstoff, der die Olive vor Fraßfeinden schützt und in unbehandelten Früchten Werte bis etwa 5.000 Milligramm pro Kilogramm Frischgewicht erreicht.

Jede Tafelolive muss also entbittert werden, und das Landesministerium für Ernährung und Verbraucherschutz Baden-Württemberg formuliert die Konsequenz nüchtern: Im Handel gibt es ausschließlich verarbeitete Oliven. Es gibt kein Naturprodukt zum Vergleich.

Damit verschiebt sich die Frage. Wer sagt, er mag keine Oliven, meint fast immer eine bestimmte Sorte in einem bestimmten Verfahren, meist die gleichmäßig schwarze, milde bis flache Olivenscheibe, die man aus Standardanwendungen kennt. Das ist eine legitime Abneigung. Sie sagt aber genauso wenig über Oliven aus, wie eine Abneigung gegen Instantkaffee über Kaffee aussagt.

Warum schmecken zwei Oliven so unterschiedlich?

Weil vier grundlegend verschiedene Wege zum selben Etikett führen. Der Weg entscheidet über Zeit, Textur, Farbe und Aromatiefe:

Verfahren Dauer Ergebnis
Fermentation in Salzlake, griechische Art mehrere Monate uneinheitliche Farbverläufe, komplexes Aroma, weiche Textur
Natronlauge, spanische oder Sevillaner Art Stunden bis etwa ein Tag schnell, sehr einheitlich, milder im Aroma
Trockensalzung Wochen faltige Frucht, konzentriert, salzig-intensiv
Oxidation mit Farbfixierung durch E 579 oder E 585 kurz gleichmäßig pechschwarz, mildes bis neutrales Aroma

Quellen: Landesministerium Baden-Württemberg zu Entbitterungsverfahren; fachliche Darstellungen zur Tafelolivenverarbeitung, 2025 und 2026

Ein Punkt daran wird oft verwechselt: Grün und schwarz ist keine Sortenfrage, sondern eine Frage des Erntezeitpunkts. Eine Olive hängt grün am Baum, färbt sich über violett und braun bis dunkel und wird dabei vollreif. Grün geerntet ist sie fester und herber, vollreif weicher, milder und öliger.

Unsere Kalamata kommen von der Peloponnes, aus der Gegend um Nafplio, der Heimat der Sorte. Sie werden vollreif geerntet, daher die violett-braune Farbe und das weiche Fruchtfleisch, und traditionell in Rotweinessig-Lake eingelegt. Diese Lake ist der Grund für die fruchtig-weinige Note, die vielen Menschen den Zugang öffnet.

Woran erkennst du am Etikett, was du kaufst?

An zwei Stellen, und beide brauchen nur einen Blick. Erstens die Zutatenliste: Bei Oliven in Lake sollten idealerweise Oliven, Wasser und Salz stehen, bei Kalamata zusätzlich der Essig. Tauchen E 579 (Eisengluconat) oder E 585 (Eisenlactat) auf, wurden grün geerntete Früchte oxidativ dunkel gefärbt und in der Farbe stabilisiert. Beides ist in der EU zugelassen und muss deklariert werden.

Zweitens die Farbe im Glas. Natürlich am Baum gereifte schwarze Oliven sind selten gleichmäßig gefärbt. Übergänge von Dunkelviolett über Braun bis fast Schwarz sind kein Mangel, sondern ein Hinweis auf Reife. Vollkommen einheitliches Pechschwarz ist umgekehrt ein Hinweis darauf, dass nachgeholfen wurde.

Wer also einmal enttäuscht war, sollte das nächste Glas nicht nach dem Wort auf dem Deckel auswählen, sondern nach diesen zwei Merkmalen. Die Wahrscheinlichkeit, dass daraus eine andere Erfahrung wird, ist hoch.

Kann sich Geschmack wirklich ändern?

Ja, aber die Forschung dazu ist vorsichtiger, als es oft klingt. Wiederholtes Probieren erhöht die Akzeptanz eines Lebensmittels, das ist gut belegt. In einer Übersichtsarbeit von Lucy Cooke (Journal of Human Nutrition and Dietetics, 2007) liegt die typische Größenordnung bei acht bis fünfzehn Kostproben für Kinder im frühen Schulalter, bei Zweijährigen bei fünf bis zehn.

Diese Zahlen taugen aber nicht als Gesetz. Sie stammen fast vollständig aus Studien mit Kindern, und die Ergebnisse gehen auseinander: In manchen Untersuchungen genügte eine einzige Kostprobe, in einer Schulstudie mit Neun- bis Elfjährigen sank die Akzeptanz nach wiederholter Gabe sogar. Auf Erwachsene lässt sich das nur eingeschränkt übertragen.

Auch die Genetik erklärt weniger, als man erwarten würde. Es gibt eine gut dokumentierte erbliche Variation in der Bitterwahrnehmung über das Gen TAS2R38, und besonders empfindliche Menschen berichten häufiger geringere Vorliebe für bittere Gemüse. Ob die Bitterkeit der Olive über genau diesen Rezeptor läuft, ist jedoch nicht belegt, und eine große Auswertung aus der UK Biobank (European Journal of Nutrition, 2025) hält ausdrücklich fest, dass viele Befunde zu TAS2R38 uneinheitlich bleiben. Auf die Gene schieben lohnt sich also nicht vorschnell.

Bei Tina spricht die einfachste Erklärung für sich: Nicht ihr Gaumen hat sich geändert, sondern das Produkt im Glas. Nach Jahren derselben Ablehnung war ein einziger Versuch mit einer anderen Olive genug.

Warum eine Gremolata ein guter Einstieg ist

Weil sie die Olive nicht in den Mittelpunkt stellt, sondern verteilt. Für ihre Crostini hat Tina eine klassische Gremolata aus Petersilie, Zitrone und Knoblauch mit fein gehackten Kalamata, entkernten Tomaten und Olivenöl erweitert und darauf dünn geschnittenes Wagyu von Florian Richter (Taubertal Wagyu) gelegt.

Praktisch wirken hier drei Dinge zusammen: Die Olive ist fein gehackt, also gibt es keine konzentrierten Bissen. Öl und Zitrone bringen Fett und Säure dazu. Und das Ganze steht auf geröstetem Brot, dessen Röstaromen die Würze auffangen. Wer sich an Oliven herantasten will, kommt über solche Zubereitungen weiter als über die pure Frucht.

Kennengelernt haben wir uns über den Verein freakstotable e.V., in dem Tina als Botschafterin arbeitet und Bastian Jordan im Beirat sitzt. Beim Kaffee, das sei ehrlich gesagt, konnten wir bisher nichts ausrichten.

Häufige Fragen

Kann man Oliven roh vom Baum essen?

Nein. Frische Oliven enthalten Oleuropein in so hoher Konzentration, dass sie ungenießbar bitter sind. Der Stoff schützt die Frucht vor Fraßfeinden. Erst durch Entbittern mit Wasser, Salzlake, Natronlauge oder Trockensalzung wird sie essbar. Beim Olivenöl übernimmt die Extraktion diese Rolle, weil die Bitterstoffe größtenteils im Fruchtwasser bleiben.

Was bedeutet E 579 auf dem Olivenglas?

E 579 ist Eisengluconat, E 585 ist Eisenlactat. Beide werden eingesetzt, um grün geerntete und oxidativ dunkel behandelte Oliven gleichmäßig schwarz zu fixieren. Die Zusätze sind in der EU zugelassen und deklarationspflichtig. Wer natürlich gereifte schwarze Oliven sucht, findet sie an uneinheitlichen Farbverläufen und einer kurzen Zutatenliste.

Sind grüne oder schwarze Oliven gesünder?

Beide sind ähnlich wertvoll, nur unterschiedlich zusammengesetzt. Grüne Oliven werden unreif geerntet, sind fester und enthalten häufig mehr antioxidative Polyphenole. Vollreife schwarze Oliven haben einen höheren Fettgehalt und ein milderes Aroma. Der praktisch relevanteste Unterschied im Glas ist meist nicht die Farbe, sondern der Salzgehalt der Lake.

Wie viele Kostproben braucht es, bis man etwas mag?

Es gibt keine verlässliche Zahl. Studien mit Kindern im frühen Schulalter nennen häufig acht bis fünfzehn Kostproben, bei Kleinkindern fünf bis zehn. Andere Untersuchungen kamen mit einer einzigen aus, eine fand sogar den umgekehrten Effekt. Für Erwachsene ist die Datenlage dünn.

Warum schmecken Kalamata-Oliven anders als grüne Oliven in Lake?

Weil sich Erntezeitpunkt und Lake unterscheiden. Kalamata werden vollreif geerntet, was das Fruchtfleisch weich und ölig macht, und traditionell in Rotweinessig-Lake eingelegt. Daraus entsteht die fruchtig-weinige Note. Grüne Oliven in Salzlake werden unreif geerntet und schmecken herber, fester und salziger.

Fazit

Die ehrlichste Antwort auf "Ich mag keine Oliven" ist eine Rückfrage: Welche? Zwischen einer über Monate in Lake fermentierten Kalamata und einer in Stunden entbitterten, nachgefärbten Olive liegt mehr Unterschied als zwischen vielen Lebensmitteln, die verschiedene Namen tragen.

Wenn du es noch einmal versuchen willst, findest du unsere Kalamata und das Bambatsa Olivenöl im Shop. Und wenn du gleich einen Anlass brauchst: Tinas Crostini mit Wagyu und Oliven-Gremolata stehen auf foodundco.de, mit Bierempfehlung von David Hertl.

Stand: Juli 2026. Geprüfte Quellen: Cooke, Journal of Human Nutrition and Dietetics 2007; European Journal of Nutrition 2025 (UK Biobank, TAS2R38); Landesministerium für Ernährung und Verbraucherschutz Baden-Württemberg; foodundco.de, Rezeptartikel vom 19.07.2026; fachliche Darstellungen zur Tafelolivenverarbeitung.

Über Bastian Jordan

Viele Beiträge stehen im Zusammenhang mit der Arbeit von Bastian Jordan, der Jordan Olivenöl in dritter Generation weiterentwickelt.

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